
Berlin. Schwetzingen ist eine Mozartstadt. Wolfgang Amadeus Mozart war in der Festspielstadt zu Gast. Am 1. Januar gastiert das Philharmonie Baden-Baden zum Jahresauftakt der Schwetzinger Mozartgesellschaft im Schlosstheater.
Von Frank Bürger
„Das Orchester der Oper Sofia ging unter der Leitung von Pavel Baleff hoch konzentriert und motiviert zu Werke. Ein Wagner wie in Urgestalt:da flirrten die Streicher, es summte und brauste mit behänder und präziser Leichtigkeit, die Schmiedelieder polterten in klirrender Helligkeit, die drückende Schwüle vor Fafners Höhle gelang plastisch unter geschmeidiger Drohung des Fluches durch die Bläser und der dritte Akt des nunmehr eindeutig späten Wagners geriet zu einem packenden Perforceritt in die verschlungenen Höhen zwischen Feuerbrunst und Brünnhildenfelsen. Auffallend war, dass sich Baleff immer wieder Passagen herauszupicken schien, in denen er forcierte, fast attackierte, um dann wieder den Klang in einen konzentrierten Spielablauf zu entlassen.“ So war es in der Zeitschrift „Opernglas“ zu einer Aufführung der Oper „Siegfried“ von Richard Wagner 2012 zu lesen.
Pavel Baleff, das ist Weltluft….
Baleff wurde 1970 in Tschirpan/Bulgarien geboren, besuchte in Stara Zagora von 1984 bis 1989 das musikalische Gymnasium mit den Schwerpunkten Klavier, Dirigieren und Komposition. Daraufhin schloss er ein Studium an der Staatlichen Musikakademie in Sofia an (Fächer: Orchesterdirigieren, Operndirigieren, Chorleitung und Komposition) und konzertierte während seines Studiums mit dem Staatlichen Symphonieorchester der Musikakademie. 1991 war er zwei Jahre lang Assistent beim New Symphony Orchestra von Sofia. 1995 begann er ein weiteres Studium im Fach Dirigieren an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar bei Gunter Kahlert und Nicolas Pasquet, gewann mehrere Dirigier-Wettbewerbe, darunter der Carl Maria von Weber-Wettbewerb und den Preis der Herbert von Karajan-Stiftung. 1999 kam Baleff dann als Erster Kapellmeister und stellvertretender GMD zum Volkstheater Rostock, ehe er 2003 bis 2008 in gleicher Position ans Opernhaus Halle wechselte. Mehrfach führten ihn Gastdirigate an die Dresdner Semperoper, die Komische Oper Berlin, und zu einigen der großen Rundfunksinfonieorchester Deutschlands sowie zu vielen Klangkörpern in ganz Europa.
Eng kooperiert er mit der Starsängerin Diana Damrau.

Das Programm
Carl Michael Ziehrer – Die Landstreicher: Ouvertüre
Joseph Lanner – Die Romantiker: Walzer
Émile Waldteufel – Prestissimo Galopp
Josef Strauss – Dorfschwalben aus Österreich, Walzer
Johann Strauss – Eljen a Magyar, Polka schnell
Emmerich Kalmán – Zu Gast bei Emmerich Kalmán
Pause
Franz von Suppé – Dichter und Bauer: Ouvertüre
Johann Strauss – Nordseebilder, Walzer
Josef Strauss – Frühlingsluft – Ouvertüre
Josef Strauss – Die tanzende Muse, Polka mazur
Paul Lincke – Gri Gri: Ouvertüre
Arndt Joosten – Conférence
Pavel Baleff – Dirigent

Seine Karriere als Musiker begann Arndt Joosten als Autodidakt. Als Schlagzeuger trommelte er zeitweise in sieben verschiedenen Ensembles und Bands. Er suchte dabei die Begegnung mit unterschiedlichen Stilarten. Swing, New Jazz, Big Band, Jazz Rock, Funk aber auch Tanzmusik entwickelten in ihm eine enge Vertrautheit mit der stilistischen Vielfalt unserer Zeit. Sein erstes Studium (Elektrotechnik) gab er nach zwei Semestern zu Gunsten einer Ausbildung als Orchesterschlagzeuger an den Musikhochschulen in Wuppertal und später in Stuttgart auf. Seine ersten Erfahrungen in Großensembles sammelte er im Landesjugendorchester Nordrhein Westfalen und in der Jungen Deutschen Philharmonie. Den Einstieg in die professionelle Szene fand er über Gastengagements als Orchesterschlagzeuger, -pauker und Solist beim Radiosinfonieorchester Berlin und dem Wuppertaler Sinfonieorchester. 1984 wurde er Solopauker und 1. Schlagzeuger bei der Philharmonie Baden-Baden.
In seinen 17 Jahren als Orchestermusiker dieses Ensembles wirkte er bei rund 5.000 Veranstaltungen mit. Nebenher gastierte er in den Orchestern der Region, dem damaligen SWF-Sinfonieorchester, in Freiburg, Heidelberg, Pforzheim, Ulm u.a.. Gastspielreisen mit dem Orchester führten ihn u.a. nach China, in die arabischen Emirate Dubai, Bachrain und Qatar, in die Ukraine, nach Italien, Belgien, Frankreich, Spanien, Tschechien und in die Schweiz. Seiner Leidenschaft für Jazz lebte er über viele Jahre als Bandleader und Drummer des Philharmonic Jazz Ensemble aus. Aufführungen Neuer Musik gestaltete er mit den Percussionensembles Percussion Plus und dem deutsch ukrainischen Massandra-Ensemble. Gemeinsam mit der Flamencotänzerin Nina Corti entwickelte und betreute er über viele Jahre Bühnenshows und reiste mit ihr nach Ägypten, Ungarn, Frankreich und nach Mallorca.
Mit Leidenschaft setzte er sich für die Entwicklung der Philharmonie Baden-Baden ein. Über neun Jahre war er als DOV-Delegierter Ansprechpartner der Musikergewerkschaft im Orchester und setzte sich anschließend vier Jahre lang als Sprecher des Orchestervorstands für die Rechte der Musiker ein. Er war ehrenamtlicher Geschäftsführer der Opernakademie in Baden-Baden. Diese Organisation wurde während seiner Amtszeit mit einem Europäischen Kulturpreis ausgezeichnet. Über einige Jahre organisierte Arndt Joosten eine Hilfsaktion für notleidende Orchestermusiker in Jalta, Krim und wurde dafür vom ukrainischen Botschafter in Deutschland mit einem Ehrenbrief der Ukraine geehrt.
Seit 2001 ist er Manager der Philharmonie Baden-Baden und genießt die vielfältigen Möglichkeiten, seine umfassenden Erfahrungen zwischen Bühne und Management kreativ in der Praxis anzuwenden. Freude bereitet ihm, dass in seiner Amtszeit die tarifliche Eingruppierung des Orchesters um zwei Stufen angehoben sowie neue Musiker- und Verwaltungsplanstellen eingerichtet wurden. Nicht ungerne beobachtet er auch die hervorragende Auslastung der Veranstaltungen und steigende Abonnentenzahlen vor Ort sowie die Einbindung des Klangkörpers in hochrangige Gastspielverpflichtungen.
Auf die Bühne geht Arndt Joosten immer noch gerne – allerdings meist nicht als Musiker, sondern als am liebsten humorvoller Konzertmoderator.
Quelle: Philharmonie Baden-Baden

Alle Infos zum Programm der Schwetzinger Mozartgesellschaft:
Der berühmte Komponist Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) hat Schwetzingen gleich dreimal besucht: 1763 als siebenjähriges Wunderkind mit seiner Familie und später als Musiker und Dirigent in den Jahren 1777 und 1790.
Der siebenjährige Mozart besuchte zwischen dem 15. und 29. Juli 1763 mit seiner Schwester und seinen Eltern im Rahmen einer Konzertreise den kurpfälzischen Hof. Die Mozarts wohnten jedoch nicht im Schloss, sondern im Gasthof „Zum Roten Haus“ in der damaligen Speyerer Straße. Heute erinnert eine Plakette an dem ehemaligen Gasthof in der Dreikönigstraße 6 an die berühmten Gäste.
„Meine Kinder haben ganz Schwetzingen in Bewegung gesetzet: und die Churf. Herrschaften hatten ein unbeschreiblich vergnügen, und alles geriet in verwunderung.“ So schrieb Leopold Mozart am 19. Juli 1763 aus Schwetzingen an einen Freund in Salzburg. Kurfürst Carl Theodor hatte am Vorabend zu Ehren von Vater Mozart und seinen beiden Kindern Nannerl und Wolfgang Amadeus eine musikalische Akademie in die Salle de jeu, den Spielsaal im Südzirkel, einberufen.
Es sollte viel Zeit vergehen, bis Mozart Schwetzingen ein weiteres Mal besuchte: Am 29. Oktober 1777 reiste der Salzburger mit seiner Mutter Maria Anna nach Mannheim und machte auch in der Sommerresidenz Station. Dreizehn Jahre später, am 24. Oktober 1790, kam Mozart erneut in die Kurpfalz, um im Nationaltheater Mannheim zufälligerweise seine Oper „Die Hochzeit des Figaro“ zu hören oder zu erleben. Ein Nachmittagsausflug führte ihn in den Schwetzinger Schlossgarten.
Quelle: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
Hier ein kleiner Ausflug in den Schlossgarten mit Mozart
