Liedbetrachtung: Geh aus mein Herz…

Fensterrosette: Die „Erschaffung der Welt“ über dem Westportal im Prager Veitsdom. Foto: Erwin Meier, Wikipedia

Berlin. Musik und Kunst verbindet. Hier eine Liedbetrachtung zu dem Choral „Geh aus mein Herz“ und einer Einspielung der Organistin Barbara Herrberg.

Von Frank Bürger

Paul Gerhardt (1607 -1676) ist einer der größten Kirchenliederdichter. Seine Lieder gehören zum Erbe der Zeit, die gar nicht so hell schien. Viele Lieder sind so mutmachend, deshalb wurden sie bekannt, fanden den Weg in die Gesangbücher, wurden zu wahren Volksliedern. Dazu gehört auch das Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“. Wie man an den Lebensdaten sieht, prägte ihn der 30-jährige Krieg mit all seinem Grauen. Und was mir persönlich sehr nahekommt: Bei Kriegsende war Paul Gerhardt in Berlin als Hauslehrer in der Familie des Kammergerichtsadvokaten Andreas Berthold tätig. Er wusste also, was Kinder fühlen und denken, gerade in einer so dunklen Zeit. Denn überall hatte dieser Krieg seine Spuren hinterlassen.

Mit 44 Jahren wurde Gerhardt am 18. November 1651 in der Berliner Nikolaikirche ordiniert, noch im gleichen Monat wurde er Propst an der St. Moritz-Kirche in Mittenwalde und Inspektor der umliegenden Pfarreien.

Erstmals wurde das Gedicht, die Grundlage zum Sommerlied, in der fünften Auflage von Johann Crügers Gesangbuch „Praxis Pietatis Melica“ veröffentlicht. In originaler Fassung umfasste das Lied 15 Strophen, kunstvoll gegliedert. Aufgrund der schönen Melodie singen wir es im Gottesdienst, auf Feiern und zu vielen anderen Gelegenheiten so gern.

Doch der Liedtext wurde im Laufe der Rezeptionsgeschichte immer wieder mit verschiedenen Melodien verknüpft. Günter Balders, baptistischer Pastor und emeritierter Professor für Kirchengeschichte in der Fachhochschule in Elstal, nicht unweit von Spandau, hat 40 Melodien nachgewiesen. Im Erstdruck war der Text zunächst der Melodie des Liedes „Den Herrn meine Seel erhebt“ zugeordnet.

Die gegenwärtig bekannteste Melodie zu Gerhardts Text stammt von August Harder, er lebte von 1775 bis 1813. Ursprünglich war sie eine Vertonung des Gedichts „Die Luft ist blau, das Tal ist grün“ von Ludwig Hölty. Was gefällt besonders an diesem Lied. Es sind die Assoziationen zur Natur, ja zur Schöpfung Gottes. Ist es nicht verständlich, dass es nicht nur von Erwachsenen gerne gesungen wird? Es ist ein Mutmachlied, besonders auch für schwere Zeiten, und spiegelt das Lebensgefühl von Paul Gerhardt wider.  

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