
Berlin. In der Gedenkstättenlandschaft zur Nachkriegszeit fehlt bisher ein Ort, der Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft in der Sowjetisch besetzten Zone und DDR gewidmet ist. Ein Positionspapier von Markus Meckel, dem Ratsvorsitzenden der Bundesstiftung „Aufarbeitung“ und Prof. Dr. Peter Steinbach, dem langjährigen wissenschaftlichen Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, verdeutlichen die Situation. Eine Erläuterung dazu gibt es auf exklusive Anfrage der Deutsch-Polnischen Nachrichten von Markus Meckel.
Von Frank Bürger
Das Positionspapier von Markus Meckel und Peter Steinbach ist sehr umfangreich und hat zahlreiche Unterzeichner. Zum Originaldokument
Hier zum Positionspapier, zum Downloaden.
Hier nun die Position Meckels nach einer exklusiven Anfrage der Deutsch-Polnischen Nachrichten.
I
Peter Steinbach und ich ergriffen die Initative zu diesem Positionspapier nach dem Internationalen Gedenkstättenseminar in Kreisau in diesem Frühjahr. Dort wurde die Machbarkeitsstudie für das „Forum Opposition und Widerstand“ vorgestellt.
Wir waren uns einig, dass dies ein zentrales Anliegen ist, das ausdrücklich zu unterstützen ist und noch in dieser Legislaturperiode vorangetrieben werden muss. Allzuoft redet man bei Diktaturen von den Opfern und Tätern und vergisst diejenigen, die in Opposition und Widerstand für Freiheit und Demokratie eingetreten sind. Wir haben ja gerade die Gedenktage zum Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 und zum Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944 hinter uns. Beide Daten gehören in eine deutsche (und europäische) Freiheitsgeschichte – und genau diese ist auch Thema für dieses „Forum Opposition und Widerstand“.
Wie die Gedenkstätte Deutscher Widerstand für die Zeit des NS wichtig ist, so eben auch ein solches Forum für SBZ und DDR!
II
So wichtig das Anliegen ist, so gehen die aktuellen Planungen jedoch teilweise in die falsche Richtung.
Wir kritisieren insbesondere zwei Punkte:
– den geplanten Ort am Standort der Zentrale der Staatssicherheit
– wir halten eine öffentliche Trägerschaft für dringend erforderlich
Zum Ort:
Der geplante Standort bei der Zentrale der Staatssicherheit ist vergleichbar damit, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in der Topografie des Terrors anzusiedeln. Das kann und darf nicht sein!
Auch so leidet die Aufarbeitung der DDR-Geschichte daran, dass die Staatssicherheit zu sehr ins Zentrum gestellt wird. Sie ist zwar wichtig für die Aufarbeitung der Diktatur, doch darf sie nicht die Gesamtperspektive bestimmen. Genau das aber wäre mit diesem Standort verbunden – und muss vermieden werden.
Opposition und Widerstand in SBZ und DDR gehören in die Traditionslinie der deutschen und europäischen Freiheitsgeschichte und müssen in diesen Bezügen differenziert dargestellt werden.
Es gibt keinen Ort, der sich unmittelbar anbietet – denn solche politische Arbeit geschah zumeist im Verborgenen. Sie stellte aber die Diktatur infrage – und ging, auch da, wo es im Kleinen geschah, ins Zentrum der Macht. Deshalb könnte sich anbieten, wirklich ins Zentrum zu gehen – etwa in die Nähe des Freiheits- und Einheitsdenkmals. Etwa das ehemalige Staatsratsgebäude oder das schließlich zerstörte und nun wieder aufgebaute Berliner Schloss bzw. Humboldt-Forum.
Ich könnte mir aber auch einen Ort im Prenzlauer Berg vorstellen, etwa die Kulturbrauerei, welche die Hinterhofsituation spiegelt, die für Opposition typisch war…
Trägerschaft:
Wie andere Gedenkstätten oder Erinnerungsorte von nationaler Bedeutung muss eine solche Institution in öffentlicher Trägerschaft sein. Ich habe als Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge erlebt, wie problematisch es ist, wenn eine nationale Aufgabe in private Trägerschaft gerät.
Die Pluralität, welche ja auch Opposition und Widerstand prägte, muss ebenso abgebildet sein wie die Pluralität der demokratischen Gesellschaft und Wissenschaft. Es kann nicht sein, dass eine – durchaus verdienstvolle – private Trägerschaft schlicht mit öffentlichen Mitteln erweitert wird. Das würde für die Zukunft viele Probleme mit sich bringen.
III
Opposition und Widerstand in der DDR stand in vielerlei Beziehung zu den vergleichbaren Entwicklungen in den anderen kommunistischen Ländern. Gleichzeitig gab es wichtige Beziehungen in den Westen. Sie war Teil der deutschen nationalen Freiheitsgeschichte im 19. Jahrhundert – ich denke nur an 1848. Aber eben auch Teil der Freiheitsgeschichte östlich des Eisernen Vorhang in der Zeit des Kalten Krieges.
Diese Bezüge müssen einerseits mit dargestellt – und andererseits noch viel besser erforscht werden.
Hier spielt Polen natürlich eine besondere Rolle, war doch Solidarnosc in den 80er Jahren die besonders tragende und treibende Kraft im östlichen Europa und hatte eine hervorgehobene Sprengkraft in diesem kommunistischen System.
Die siegreiche Friedliche Revolution in der DDR 1989 war Teil einer mitteleuropäischen Revolution, ohne die sie nicht verstanden werden kann.
Dann war es aber natürlich auch Gorbatschow und mit Perestroika und Glasnost seine „Revolution von oben“, die für die Umbrüche von 1989-91 eine besondere Relevanz hatte.
