
Schwetzingen. Der Karlsruher Professor Frank Thissen interessiert sich für Menschen. Seine Plattform Menschen in Karlsruhe ist ein besonderer Blick auf Personen.
Von Frank Bürger
„Es sind die Menschen, die eine Stadt ausmachen, indem sie in ihr Beiträge leisten und damit der Stadt ihr Gesicht geben. Inspiriert von Humans of New York habe ich im Juni 2019 damit begonnen, diese Menschen zu porträtieren und sie jeweils eine kleine Geschichte über sich erzählen zu lassen. Dies sind immer kurze, intensive und bereichernde Begegnungen“, so Professor Thissen.
Er ruft auf der Plattform zum Mitmachen auf.
»Meine Wanderung: Zum Raum wird hier die Zeit (Parsifal, Richard Wagner).« Frank Bürger

Das ist mein Beitrag. Ich selbst hatte in Karlsruhe mein Lehrvikar absolviert und vor einigen Jahren war ich dort als Pressesprecher und Fundraiser aktiv.
Das Verhältnis Wagner-Nietzsche war ambivalent. Als junger Professor in Basel war Nietzsche vom 31 Jahre älteren Wagner begeistert und besuchte ihn ab Mai 1869 regelmäßig in Tribschen. Er bewunderte und verehrte Wagner, ebenso dessen junge Frau Cosima. Im Gegenzug wurde Nietzsche bei den Wagners wie ein Sohn aufgenommen. Viele Briefe aus dieser Zeit zeugen von dem mehr als freundschaftlichen Verhältnis. So schreibt der 24-jährige Nietzsche an seinen Freund Erwin Rohde, nachdem er Wagner erstmals in Leipzig kennengelernt hatte:
Vor und nach Tisch spielte Wagner alle wichtigen Stellen der „Meistersinger“, in dem er alle Stimmen imitierte und dabei sehr ausgelassen war. Er ist nämlich ein fabelhafter und feuriger Mann, der sehr schnell spricht, sehr witzig ist und eine Gesellschaft dieser privatesten Art ganz heiter macht. Inzwischen hatte ich ein längeres Gespräch mit ihm über Schopenhauer. Es war ein Genuss für mich, ihn mit ganz unbeschreiblicher Wärme von ihm reden zu hören, was er ihm verdanke, wie er der einzige Philosoph sei, der das Wesen der Musik erkannt habe. Nachher las er ein Stück aus seiner Biographie vor, die er jetzt schreibt, eine überaus ergötzliche Szene aus seinem Leipziger Studentenleben, an die ich jetzt nicht ohne Gelächter denken kann; er schreibt übrigens außerordentlich gewandt und geistreich.
Wagner hatte vor, Nietzsche in die Organisation der ersten Bayreuther Festspiele einzubinden. Nietzsche war nicht abgeneigt und schrieb mehrere positive Artikel und Essays, u. a. Wagner in Bayreuth. Zu Wagners 60. Geburtstag schrieb Nietzsche:
„Geliebter Meister, nun sind es wirklich zwei Menschenalter, daß die Deutschen Sie haben – und gewiß gibt es viele, die, wie ich samt meinen Freunden, den nächsten Himmelfahrtstag als den Tag Ihrer Erdenfahrt feiern, zugleich sich sagend, welches das Los eines jeden zur Erde fahrenden Genius sein wird, ein Los, das wahrlich noch mehr an eine Höllenfahrt erinnert (…) Was wären wir denn, wenn wir Sie nicht haben dürften, und was wäre ich zum Beispiel anderes (wie ich jeden Augenblick empfinde) als ein todgeborenes Wesen! Mich schaudert immer bei dem Gedanken, ich könnte vielleicht abseits von Ihnen liegen geblieben sein: und dann lohnte sich wahrlich nicht zu leben, und ich wüßte gar nicht, was ich mit der nächsten Stunde beginnen sollte. Jetzt lernte ich doch Eins: daß irgendwann die Deutschen anfangen müssen, für Sie ein „Publikum“ zu bilden: und ich wünsche samt meinen Freunden zu diesem Publikum gerechnet zu werden.“
Aus bis heute nicht eindeutig geklärten Gründen persönlicher oder ideeller Art (Entfernung Wagners von früheren Idealen, Rückkehr zur christlichen Symbolik mit dem Parsifal oder der Dekadenz Bayreuths) kühlte sich das Verhältnis ab und zerbrach mit der letzten Begegnung im September des Jahres 1876 in Sorrent. Seitdem gab es keinen Briefwechsel mehr, aber man schrieb übereinander.
(Quelle: Wikipedia)
1986 besuchte ich als Stipendiat des Heidelberger Richard-Wagner-Verband den Parsifal, das soll sich in diesem Jahr wiederholen. Das Werk ist mit Besuch des Hauses Wahnfried und Sekundärliteratur kritisch zu betrachten, aber manche Noten faszinieren:
»Meine Wanderung: Zum Raum wird hier die Zeit (Parsifal, Richard Wagner).« Frank Bürger
