
Berlin. Nach der Präsentation des Buches „Kloster Götschendorf“ in Potsdam gibt es weitere Rezensionen. Weitere Präsentationen sind in Planung. Es werden Erinnerungen an manche wichtige Passagen wach.
Von Frank Bürger
Weltenluft brachte der Schöpfer des Kreuzes vor dem Kloster, Sergei Isakov, mit. An seinem Heimatort Rostow am Don hatte er das Kreuz gegossen, das dann nach Götschendorf transportiert und aufgestellt wurde. Das Mitglied der Russischen Akademie der Künste hat rund 60 Denkmäler entwickelt, die unter anderem in Moskau, Kaliningrad, Altea (Spanien), Minsk (Weißrussland) und Badenweiler zu sehen sind. Besonders beeindruckend die Bronzestatue des „Heiligen Nikolaus“ im Franz-Josef-Land 2007, die auch Staatspräsident Wladimir Putin besucht hat.
Das ist wieder nur eine Episode, die ich in dem Buch, das unter dem Dach des Klotz-Verlages erschienen ist, vorkommt.
Hier nun zwei weitere Rezensionen. Eine davon ist bei „Weltbild“ erschienen.
„Ich war bei der Premiere der Buchvorstellung in Spandau dabei. Frank Bürger hatte die Spandauer Bürgermeisterin mit im Boot.
Mir ist besonders seine gründliche Recherche für sein Buch aufgefallen, die durch das ausführliche Quellenverzeichnis unterstrichen wird. Das ausführliche Bildmaterial macht sein Buch noch interessanter.
Dem Klostervorsteher Abt Daniil Irbits sind seine Distanz zum Krieg in der Ukraine und sein Einsatz für die Flüchtlinge hoch anzurechnen.
Durch Frank Bürgers Buch habe ich ein Kleinod in Brandenburg entdecken dürfen. Sehr zu empfehlen!!!“ (Angela S.)
Hier nun die Rezension der Schriftstellerin Vera Seidl:
„Eine persönliche Zeitreise
Trotz der Ikone in der Kuppel kommt das Buchcover mit dem Foto der Apsis der russisch-orthodoxen Kirche von „Kloster Götschendorf“ ziemlich nüchtern daher. Frank Bürger belebt die Szene bereits auf der vierten Seite seines Werkes, wo er selbst lächelnd neben Abt Daniil Irbits im Altarraum steht. Die Bande, die die beiden geknüpft haben, sind deutlich erkennbar und unterstreichen Bürgers Untertitel „Eine persönliche Zeitreise.“
Blättert man dann das Buch durch, sieht man auf den zahlreichen Fotografien immer wieder Menschen. Geistliche in ihren rot-goldenen Gewändern, tanzende Mädchen, Besucher aus der Ukraine oder Prominente wie Manfred Stolpe und Horst Winkelmann.
Im Vorwort liefert der Autor einen guten Überblick über die Geschichte: „Das Gut mit Herrenhaus ist seit dem 15. Jahrhundert im Besitz der Familie von Arnim, 1910 wird ein neues Gutshaus errichtet. 1942-1945 war es Jagd- und Gästehaus von Hermann Göring, bis 1975 Ferienhaus der Nationalen Volksarmee, danach des Rates des Kreises und des Ministeriums der Staatssicherheit. Seit 1990 stand es leer, 2007 wurde ein Kloster eingerichtet.“ Zum Gelingen des Klosterprojekts trugen unter anderem der Russland-Journalist Norbert Kuchinke und Pfarrer Horst Kasner, der Vater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei.
Bürgers Interesse beschränkt sich nicht auf das westlichste Kloster der Russisch-Orthodoxen Kirche, er nimmt seine Leser mit auf eine Zeitreise in die russische Kultur und streift dabei immer wieder andere Zivilisationen. Sei es die Geschichte, die Ikonen, die Literatur, die Musik, das Ballett. Sogar das Essen findet seinen Platz durch ein Foto der Gulaschkanone von Bruder Mikhail oder der Erwähnung der Piroggen aus der Hand von Irbits Mutter.
Auf seinen Streifzügen durch die Uckermark wandert sein fragender Blick von einem Ort zum anderen. Das Schloss Boitzenburg möchte ich nennen, weil ich es kenne. Dass sich einer der größten Solarparks Europas in Templin/Groß Dölln befindet, wusste ich nicht. Natürlich hat Bürger auch die Schorfheide, den Kölpinsee und andere Landschaftsgebilde der Gegend verewigt.
Die Anzahl von Prominenten, die das Projekt unterstützt haben und es noch tun, ist nicht zu übersehen.
Auf die Frage nach deren Motivation stieß ich auf den Konflikt zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und der Russisch-Orthodoxen Kirche. Im Kampf um die „Weltorthodoxie“ begann die Russisch-Orthodoxe Kirche seit der Jahrtausendwende ihr Einflussgebiet zu erweitern. In Paris wurde im Jahr 2016 eine neue Kathedrale geweiht, in Straßburg reiste Patriarch Kyrill 2019 persönlich an, um der neuen Kirche seinen Segen zu geben, in Deutschland entstanden seit 1992 70 neue Gemeinden.
Neue Gemeindemitglieder bringen natürlich auch Geld mit und ein Buch mit dem Titel „Kloster Götschendorf“ sorgt ebenfalls für Einnahmen. Aber reichen diese aus, um der Verpflichtung zur Investition von vier Millionen Euro nachzukommen und weitere zwei bis drei Millionen in das Unternehmen Götschendorf zu stecken? Woher stammen die Gelder, habe ich mich gefragt und konnte bei der Suche nach einer Antwort die Nähe zwischen dem Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche Patriarch Kyrill, der übrigens ein KGB-Agent war, und Präsident Wladimir Putin nicht ausblenden.
Einer der wichtigsten Sponsoren sei die Wneschekonombank, schreibt der Autor und versäumt nicht, Putin als Aufsichtsratsvorsitzenden zu nennen. „Dem Präsidenten gefiel der Humor des Deutschen, und auch Kuschinkes Idee vom Kloster überzeugte ihn. Bald überwies eine russische Bank mehrere Millionen Euro für den Bau“, ist auf Seite 69 zu lesen.
Wie gut, dass Bürger bereits im Vorwort den Abt des Klosters sprechen lässt: „Was Putin gerade macht, ist scharf zu verurteilen. Diplomatie ist der einzige Weg, Konflikte zu lösen.“ Weiter führt er aus, dass Irbits eine andere Sprache spreche als der Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche. Das Vokabular dieser Sprache kommt besonders im letzten Kapitel des Buches zum Ausdruck. Es heißt: „Die Ukraine – Soziales Engagement des Klosters.“
Bürgers Verknüpfungen mit seiner Person sind manchmal weitschweifig, immer unterhaltsam und spannend. Unter anderem erwähnt er seinen Geburtstag im Zusammenhang mit dem Besuch des Schlosses Neuschwanstein.
Mich erinnerte das Datum an den Geburtstag von Hans-Jürgen Schumacher, der bis 2018 Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Mecklenburg-Vorpommern war.
Er erzählte mir an seinem Ehrentag von einem Projekt der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Güzkow, das aber, anders als das der Russisch-Orthodoxen in Götschendorf, gescheitert war.
Im Zusammenhang mit Horst Kasner erwähnt Bürger Bischof Albrecht Schönherr.
Hier wurde das Buch gänzlich zu meiner persönlichen Zeitreise. Denn meine erste Ausbildung zur Kinderdiakonin absolvierte ich auf dem Gelände, wo der Theologe seinen Wohnsitz hatte.
Im Fach Kirchengeschichte hörte ich damals auch erstmals vom arischen Streit, den Bürger auf Seite 102 so kompliziert beschreibt, das ihn ein Laie wohl kaum verstehen wird.
Einige Seiten später aber drückt er dann die Folgen des Streits für die orthodoxe Kirche einfach und deutlich aus: „Das Kreuzzeichen heißt auch das kleine Glaubensbekenntnis, denn die drei zusammengefalteten Finger bedeuten: ‚Ich glaube an den dreieinigen Gott‘ und die zwei zur Handfläche gedrückten Finger besagen: ‚Ich bekenne, dass Christus zwei Naturen hat, eine göttliche und eine menschliche..‘“
Der Autor durfte als Pfarrer, Religionslehrer und Journalist an den Gottesdiensten teilnehmen und sich sogar mit Abt Irbits im Altarraum ablichten lassen. Ich vermute, dass mir diese Ehre nie erwiesen werden würde, zeigt sich doch, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche immer noch eine von Männern dominierte ist.
Ein Nonnenkloster der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche habe ich in Kiew gefunden. Es heißt: Frauenkloster Mariä Schutz und Fürbitte. Die Nonnen dort stellen die golddurchwirkte Kleidung für die männlichen Kleriker her!
Vera Seidl“
