Wichtiges Treffen in der Raffinerie

Foto: PCK Raffinerie

Berlin. Die Zukunft der PCK-Raffinerie ist ein bundesweites Thema. Nun traf sich die dazu ins Leben gerufene Task-Force das erste Mal in Schwedt. Auch im Buch „Kloster Götschendorf“, das gestern in Potsdam präsentiert wurde, spielt die Raffinerie eine Rolle.

Von Frank Bürger

Auf dem Weg zur Sicherung einer guten Zukunft der PCK-Raffinerie in Schwedt konnten im ersten Halbjahr 2023 deutliche Fortschritte erreicht werden. Diese Zwischenbilanz zog heute die von Ministerpräsident Dietmar Woidke einberufene Task Force PCK Schwedt auf ihrer vierten Sitzung. Erstmals traf sich das Gremium vor Ort in der Raffinerie. Zuvor sprach Woidke auf einer Betriebsversammlung mit Beschäftigten und dankte ihnen für ihren „unermüdlichen Einsatz und ihre wichtige Arbeit zur Versorgung Brandenburgs, Berlins und ganz Ostdeutschlands insbesondere mit Benzin und Diesel“.

An der Sitzung der Task Force unter Leitung von Woidke nahmen unter anderen der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Michael Kellner, der Sprecher der PCK-Geschäftsführung, Ralf Schairer, Wirtschaftsminister Jörg Steinbach, Umweltminister Axel Vogel und Finanzministerin Katrin Lange sowie Uckermark-Landrätin Karina Dörk und Schwedts Bürgermeisterin Annekathrin Hoppe teil. Die Task Force soll eine bestmögliche Verzahnung der Akteure zur Begleitung des Transformationsprozesses der PCK sicherstellen.

Staatssekretär Kellner berichtete zum Stand der Öllieferungen über Rostock, Danzig und Kasachstan. PCK-Geschäftsführer Schairer gab bekannt, dass der Antrag auf Gewährung einer Beihilfe für die Ertüchtigung der Pipeline Rostock-Schwedt in Höhe von 400 Millionen Euro an das Bundeswirtschaftsministerium übergeben wurde.

Woidke betonte nach der Sitzung der Task Force: „Mit einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung haben wir viel erreicht. Dafür mein Dank allen Beteiligten. Das Abkommen mit Kasachstan sichert Kontinuität bei den Öllieferungen und ermöglicht zugleich eine Steigerung der Auslastung der Raffinerie um etwa zehn Prozentpunkte.“

Kellner unterstrich: „Der langfristige Liefervertrag für kasachisches Rohöl ist ein weiterer wichtiger Schritt für die PCK Raffinerie. Er sorgt dafür – ebenso wie die anderen Lieferungen über Danzig und über Rostock – den Rohölbezug nach Schwedt zu diversifizieren und sicherzustellen. Das zeigt, wir können die Versorgung mit Produkten in der Region auch ohne russisches Rohöl sicherstellen. Das ist ein großer Erfolg aller Beteiligten. Dafür auch von mir mein Dank. Dass die Raffinerie zugleich wichtige Zukunftsvorhaben unter anderem in Kooperation mit Siemens Energy oder Enertrag gestartet hat, stimmt mich optimistisch. Auch dabei unterstützen wir. Die Raffinerie wird ein bedeutender Lieferant klimaschonender Energie. Das wird Wohlstand und Arbeitsplätze sichern.“

Schairer sagte: „Am Freitag, den 7. Juli 2023, haben wir den nationalen Antrag auf Gewährung einer Beihilfe für die Ertüchtigung der Pipeline Rostock-Schwedt und Anpassungen in der Raffinerie zur Verarbeitung alternativer nicht-russischer Rohöle in Höhe von 400 Millionen Euro beim Bundeswirtschaftsministerium eingereicht und heute auch noch einmal persönlich an Staatssekretär Kellner übergeben. Das PCK-Team hat gut vorgearbeitet und die Planungen für die zeitkritischen Projekte aus dem Antrag bereits angestoßen. Aber es bleibt auf allen Seiten noch viel zu tun“, so Schairer weiter. Vorgesehen ist ein jährlicher Durchsatz der Pipeline mit neun Millionen Tonnen Rohöl, wofür der Hauptteil der insgesamt 420 Millionen Euro investiert werden soll.

Auf der vorangegangenen Betriebsversammlung sagte Woidke: „Der Jahreswechsel bedeutete für die PCK-Beschäftigten und die ganze Region eine tiefe Zäsur. Seit den frühen 1960ern war die Raffinerie mit Öl aus der Druschba-Pipeline versorgt worden. Dieses Öl gehörte über Jahrzehnte zur DNA der PCK, der Beschäftigten und von Schwedt. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ließ der Bundesregierung keine andere Wahl, als die Öl-Lieferungen aus Russland zu stoppen. Das hat viele Menschen mit Sorge erfüllt. Zur Sicherung des Standorts und der Arbeitsplätze wurden jedoch erhebliche Unterstützungspakete geschnürt, die gewirkt haben. Und zugleich haben Sie, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der PCK kühlen Kopf bewahrt und gewährleisten mit Ihrer wichtigen Arbeit, dass wir weiterhin Benzin und Diesel tanken können. Die Landesregierung wird sich auch weiterhin mit ganzer Kraft für eine gute Zukunft der Raffinerie einsetzen.“

(Quelle: Staatskanzlei Brandenburg)

Die Hoffnung auf eine Weiterentwicklung des Klosters war groß: So haben sich das Unternehmen Rosneft und der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder direkt eingeschaltet. Sie finanzieren die Endarbeiten in der Kirche und den Ausbau des. Dabei liefen die Kontakte über Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Entstehen soll ein russisch-deutsches  geistliches und pädagogisches Zentrum. Dort werden die von dem Journalisten Norbert Kuchinke gesammelten Bücher gelagert. Dazu kommt ein Bruderhaus für die Mönche. So soll das Herrenhaus zudem eine Klinik beherbergen, in der Krebspatienten nach einer Chemotherapie und Operationen einen Rehabilitationskurs absolvieren können. Doch nun liegt wieder alles auf Eis. Denn die Gelder von Rosneft fließen nicht mehr. Der Krieg mit der Ukraine hat alles zunichte gemacht.

Die PCK-Raffinerie in Schwedt, die große Teile des Nordostens Deutschlands mit Treibstoff versorgt, verarbeitete bis 2022 hauptsächlich Rohöl aus Russland. Im Zuge der Sanktionen wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine beschloss die Bundesregierung, auf russisches Öl zu verzichten, seither bemüht man sich um neue Lieferwege, wofür neben dem Hafen Danzig auch die Pipeline von Rostock nach Schwedt genutzt wird.

Zwei deutsche Tochterfirmen des russischen Ölkonzerns Rosneft sind PCK-Mehrheitseigner. Sie stehen unter Treuhandverwaltung des Bundes. Mögliche Eigentümerwechsel sind bereits im Gespräch. Auch Shell Deutschland und Eni Deutschland sind an der Raffinerie beteiligt.

Dabei setzt das Kloster immer wieder Zeichen des Friedens, auch vor fünf Jahren. Es war eine besondere Note, dass ukrainische Tänzerinnen im Juli 2014 kurz nach dem Absturz der MH17 bei Donezk auf der Seebühne des Klosters erstmals künstlerische Akzente setzten.  Der Leiter des Projektes unterrichtete auch die Tochter des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko.

So geschah etwas am Göringschen Herrenhaus. Das Gut mit Herrenhau ist seit 15. Jahrhundert im Besitz der von Arnim, 1910 wurde ein neues Gutshaus errichtet, 1942 bis 1945 war es Jagd- und Gästehaus von Hermann Göring, bis 1975 Ferienhaus der Nationalen Volksarmee, danach des Rates des Kreises und des Ministeriums der Staatssicherheit. Seit 1990 stand es leer, 2007 wurde ein Kloster eingerichtet.

Der Russland-Journalist Norbert Kuchinke stieß bei seiner Suche nach einem Standort für ein von ihm geplantes russisch-orthodoxes Kloster in der Nähe Berlins 2006 auf das Gelände. Nach anfänglichem Zögern der einheimischen Verantwortlichen halfen schließlich Kontakte in die Potsdamer Staatskanzlei und die Fürsprache von Pfarrer Horst Kasner aus Templin bei der Verwirklichung des Projekts. Er ist der Vater von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Das Gelände wurde für einen symbolischen Euro gekauft mit der Auflage, von 2006 bis 2016 rund vier Millionen Euro in den nächsten 10 Jahren in den Ausbau des Geländes zu investieren. Das wurde erreicht. Es wurden sogar 4,2 Millionen Euro investiert.

Ein persönliches Gespräch Kuchinkes mit Präsident Putin brachte einen Teil der benötigten finanziellen Unterstützung. 2007 wurde das Kloster auf Beschluss der Obersten Synode der Russisch-Orthodoxen Kirche offiziell gegründet. Im Zuge der Um- und Neubauarbeiten wurde eine Kirche im nordrussischen Stil errichtet. 2011 zogen die ersten Mönche ein. 2013 wurde ein Kreuz auf der Kuppel durch Erzbischof Feofan geweiht, der inzwischen am 11. September 2017 gestorben ist. Zu dieser Zeit lebten zehn Mönche im Kloster. 2015 wurde in einem feierlichen Gottesdienst ein Kreuz zum Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren geweiht.

Mit an dem Gottesdienst beteiligt war Erzbischof Feofan, Bischof der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche und Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. Ein weiterer hoher geistlicher Vertreter war Erzbischof Alexandr, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche von Baku und Aserbaidschan. Weltenluft brachte der Schöpfer des Kreuzes, Sergei Isakov, mit. An seinem Heimatort Rostow am Don hatte er das Kreuz gegossen, das dann nach Götschendorf transportiert und aufgestellt wurde. Das Mitglied der Russischen Akademie der Künstler hat rund 60 Denkmäler entwickelt, die unter anderem in Moskau, Kaliningrad, Altea (Spanien), Minsk (Weißrussland) und Badenweiler zu sehen sind. Besonders beeindruckend die Bronzestatue des „Heiligen Nikolaus“ im Franz-Josef-Land 2007, die auch Staatspräsident Wladimir Putin besucht hat.

Das Franz-Josef-Land ist eine Inselgruppe im Nordpolarmeer und gehört zu Russland. Benannt wurde sie nach Österreich-Ungarns Monarchen Franz Joseph I. Die Zufahrt ist nur wenige Sommerwochen (und nicht in jedem Jahr) eisfrei und für Besucher praktisch nur auf einer der sporadisch durchgeführten Eisbrecher-Kreuzfahrten möglich. Landexpeditionen sind in der Regel nicht erlaubt.

Isakovs Werke sind in Museen Belgiens, Italiens, Griechenlands, Frankreichs sowie in privaten Sammlungen Putins, der russischen Patriarchen Alexius II und Kyrill, des Patriarchen von Jerusalem Fiofila III und des Patriarchen Georgiens Ilia zu finden. Vor zehn Jahren erhielt Isakov die Goldmedaille der Russischen Akademie der Künste. Unter den Gästen auch der ehemalige Botschafter in Minsk Horst Winkelmann. Nach seiner Tätigkeit im Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen wechselte er in das Auswärtige Amt. Beziehungen nach Moskau knüpfte er als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Lomonossow-Universität.

1987 bis 1992 war er in der Botschaft Moskau Gesandter. 1992 bis 1995 war er Botschafter in Äthiopien und Eritrea. 1998 bis 2001 in Belarus in Weißrussland.

Nachdem Winkelmann am 26. Mai 1998 seinen Akkreditierungsbrief bei der Regierung von Aljaksandr Lukaschenko in Minsk vorgelegt hatte, verließ er Ende Juni 1998 zusammen mit weiteren Botschaftern Weißrussland, nachdem begonnen wurde, ihre Residenzen in der Waldsiedlung Drozdy nahe Minsk, in der auch Präsident Lukaschenko lebt, unangekündigt zu sanieren und von Energie- und Wasserversorgung trennte. Das berichtete die BBC 1998.Winkelmann ist auch in Brandenburg gut vernetzt. Als Präsident des Welterbe Komitees schaltete er sich 1996 um den Bau des einst umstrittenen Potsdam-Centers ein. Laut Focus beschäftigte sich damit sogar der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Er verlangte in diesem „Potsdamer Kulturkampf“ von Bundesbauminister Klaus Töpfer (CDU) und Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) einen Kompromiss

Mit Freude sah nun Winkelmann im Ruhestand, wie hier in der beschaulichen Uckermark ein kulturelles und religiöses Zentrum wächst, verbunden mit Moskau, das er kennen- und schätzen gelernt hat. So schätzt er auch das Werk von Norbert Kuchinke. Denn die Geschichte des Klosters ist eng verbunden mit Kuchinke, dem ersten Korrespondenten von „Spiegel“ und „Stern“ in Moskau. 1983 begann er sich als freier Journalist mit der russisch-orthodoxen Kirche zu beschäftigen. Ikonen und Musik begeisterten den Schlesier, am 5. Mai 1940 in Schwarzwaldau geboren.

Kuchinke als Katholik und Top-Journalist mit Affinität zur russisch-orthodoxen Kirche und zur Weltpolitik, das passt. Mit Götschendorf wird für ihn ein Traum wahr. Die Berliner Diözese der Russisch-orthodoxen Kirche des Patriarchats Moskau erwirbt das einstige Herrenhaus Görings auf einem vier Hektar fassenden Gelände für einen Euro mit der Verpflichtung, dass in den nächsten 15 Jahren vier Millionen Euro in das Grundstück investiert werden. Insgesamt rechnet die Diözese mit rund 6 bis 7 Millionen Euro.

Vor Ort unterstützt ihn von der evangelischen Kirche Pfarrer Horst Kasner, der Vater von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein gutes Pendant zum Katholik Kuchinke. Und Kasners Blicke wandern gerne nach Osten. Seine Wurzeln väterlicherseits liegen in Posen. Zudem hat Kasner Weltluft geschnuppert. Zuerst das Studium an der renommierten Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, weiter an der Kirchlichen Hochschule Bethel und schließlich an die Hamburger Uni. Einige Wochen nach der Geburt von Angela nahm er in der damaligen DDR eine Pfarrstelle bei Perleberg an, bevor er 1957 in die heutige Uckermark kam.

Norbert Kuchinke zur Seite stand ebenso Aribert Großkopf. Er war von 1990 bis 1998 Abteilungsleiter in der Potsdamer Staatskanzlei unter Manfred Stolpe. Mit ihren Familien teilten sich Großkopf und Kuchinke ein Wochenendhaus direkt neben dem Klostergelände. Kulturinteressiert und weltmännisch tritt Großkopf auf. Mit Wolfgang Huber hat er Kontakte, seine Frau hat in Heidelberg studiert. Dort lehrte Huber. Mit dem Tod von Norbert Kuchinke im Dezember 2013 ist es nicht leichter geworden. Aber alle halten die Treue und hoffen gemeinsam mit Abt Daniil, dass es weitergeht.

Das Kreuz, das mit Unterstützung der Kristall GmbH, der Gesellschaft „Anbetungskreuz“ und dem russischen Botschafter Wladimir Michailowitsch Grinin realisiert werden konnte, ist ein weiterer Meilenstein. Wie der Abt mitteilt, war eine der wichtigsten Sponsoren die Wneschekonombank, von 2011 bis 2013. Die Aktivitäten der Bank erstrecken sich im Wesentlichen auf die Verwaltung der Auslandsschulden der Russischen Föderation sowie der Mittel der russischen staatlichen Rentenversicherungsanstalt. Darüber hinaus fördert die Wneschekonombank die internationale Wettbewerbsfähigkeit der russischen Wirtschaft unter anderem durch Exportrisikoversicherungen. Die Wneschekonombank ist damit das russische Pendant zur deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder der Schweizerischen Exportrisikoversicherung (SERV). Zu diesem Zweck führt die Wneschekonombank weltweit neun Foreign Branch Offices: In Deutschland, in der Schweiz, Frankreich, Italien, Großbritannien, in den USA, China, Indien und Südafrika. Die Linie führt auch in diesem Fall wieder zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Denn er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Wneschekonombank. „Die Bauausführungen liegen in den Händen von uckermärkischen Firmen. Vor Ort werden Arbeitsplätze geschaffen“, erklärt Bruder Daniil.

Ausführlich beschrieben ist die Situation in meinem Buch „Kloster Götschendorf“, das gestern in Potsdam präsentiert wurde.

Hier klicken

Hinterlasse einen Kommentar