
Berlin. Heute gibt es nun die nächste Präsentation des Buches „Kloster Götschendorf“ um 19 Uhr im Gemeindehaus Bergstücken, Mendelssohn-Bartholdystraße 12, 14480 Potsdam-Babelsberg. Dazu ist auch eine weitere Rezension bei Amazon zu lesen.
Von Frank Bürger
Voltaire entwickelte sein Werk „Candide“ in Schwetzingen. Candide ist so naiv wie sein Name sagt. Weist ihm sein Lehrer nach, die Welt als solche sei optimal eingerichtet, glaubt er das. Nach einem unstandesgemäßen Kuss aus seinem Provinzparadies verstoßen, findet er sich allerdings einer Wirklichkeit voller Kriege, Katastrophen und Niedertracht ausgesetzt, die seinen Optimismus auf harte Proben stellt.
„Candide oder der Optimismus“ (frz. Candide ou l’optimisme) ist eine 1759 unter dem Pseudonym Docteur Ralph erschienene satirische Novelle des französischen Philosophen. Im Jahr 1776 erschien eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Candide oder die beste aller Welten. Diese Satire wendet sich unter anderem gegen die optimistische Weltanschauung Gottfried Wilhelm Leibniz’, der die beste aller möglichen Welten postulierte. Voltaire propagiert Skeptizismus und Pessimismus, die Leibniz’ Postulat in den Kontext der Zeit rücken (Eindruck des Erdbebens von Lissabon 1755, Siebenjähriger Krieg) und in Frage stellen. Mit Witz und Ironie prangert Voltaire in seinem „conte philosophique“ den überheblichen Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg und Sklaverei an und verspottet die naive Utopie des einfachen Mannes von einem sorglosen Leben.
Die „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ haben sich intensiv mit dem Verhältnis zwischen Potsdam und Schwetzingen, auch mit der Beziehung des Kurfürsten Karl-Theodors und Voltaires beschäftigt. Der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire verweilt mehrmals am Hof Carl Theodors von der Pfalz in Schwetzingen. Zwischen Kurfürst und Aufklärer entsteht eine lockere Freundschaft, die sich durch den regen Briefwechsel nachvollziehen lässt.
1753 überwirft sich Voltaire mit König Friedrich II. und verlässt Preußen. Carl Theodor lädt den Dichter daraufhin in seine Sommerresidenz ein. Hier erholt sich Voltaire und berichtet: „Ich bin augenblicklich im Lustschloß seiner Durchlaucht des Kurfürsten von der Pfalz. Es fehlt mir nur Gesundheit, um alle Vergnügungen zu genießen. Französische und italienische Komödie, große italienische Oper, Komische Oper, Balletts, große Essen, Konversation, Höflichkeit, Würde, Einfachheit, das ist der Mannheimer Hof.“
Während Voltaires Aufenthalt kommen Opern und Komödien auf die Bühne des Schlosstheaters, darunter auch seine eigenen Stücke. Beim zweiten Besuch 1758 lässt Carl Theodor Voltaires Tragödie „Mahomet ou le fanatisme“ aufführen. Voltaire arbeitet im Schloss an seinem Werk „Candide“ und liest dem Kurfürsten daraus vor. 1759 überstellt er seinen Sekretär Cosimo Collini in die Dienste des Kurfürsten.
Der „alte Fritz“, der sich von Voltaire in Potsdam getrennt hatte, bezeichnete diesen später als einen „Affen“. Auch hämisch, oder eher neidig bezeichnete er den Kurfürsten als „Glücksschwein“, weil dieser nie Krieg führen musste. Diese Bezeichnung diente auch als Anregung für das viel diskutierte Denkmal auf dem Schwetzinger Schlossplatz. Bildhauer Peter Lenk atmet auch Weltluft. Mit seinem Relief „Friede sei mit Dir“ am taz-Gebäude gegenüber der Springer-Zentrale hält er so unter anderem der Boulevardpresse und dem gesamten Springer-Imperium den Spiegel vor.
Die Illustrationen in der Schwetzinger Orangerie zeigten, welche Kreise „Candide“ zieht. Die Spuren führen zu Verfilmungen, Musicals, zu Opern und zu Theaterfassungen.
Nun darf man gespannt sein, wie dieser Bogen im Rahmen des Weimarer Dreiecks weiter gespannt wird.
In diese Zeit fällt auch der berühmte Besuch von Wolfgang Amadeus Mozart. Er spielte am 18. Juli 1763 im Schwetzinger Theater, also vor fast genau 360 Jahren.
Die Partnerschaft zwischen den Kirchengemeinden Schwetzingen und Babelsberg führten mich 1996 in den Osten der Republik, die Verbundenheit der Posaunenchöre reicht bis zum heutigen Tag. Verbundenheit auch über Musikdirektor Detlev Helmer, dessen Lied mit dem Text von Prälat i. R. Traugott Schächtele von Musikern an der evangelischen Weihnachtskirche in Spandau eingespielt wurde zum 200. Geburtstag der badischen Landeskirche eingespielt wurde. Das Titelbild von Detlev und mir entstand im Schlosspark Sanssouci.
Der Weg von Schwetzingen führt nicht nur nach Potsdam, sondern auch zum „Kloster Götschendorf“ in die Uckermark.
Schon seit einigen Jahren bin ich regelmäßig in diesem besonderen Kloster zu Gast. Mit Abt Daniil baute sich ein vertrauensvolles Verhältnis auf. So war er damit einverstanden, dass ich ein Buch über das Kloster und seine Geschichte schreibe. Die Recherche nahm viel Zeit in Anspruch. Aber es hat sich gelohnt: der Blick auf die Geschichte des Herrenhauses, der Blick auf die Gottesdienste im Tempel, der Blick auf die touristische Entwicklung des Geländes mit seiner besonderen Lage.
Dabei kam mir zu Gute, dass ich einige Jahre in der Uckermark journalistisch zu tun hatte. Ich kannte das Umfeld, lernte wunderbare Menschen kennen und schätzen. Der Weg führte mich auch nach Polen. Grenzüberschreitendes Denken. Diese Begegnungen spielen in dem Büchlein mit seinen vielen Abbildungen eine besondere Rolle. Es gibt einen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart, wobei auch der Krieg in der Ukraine nicht ausgeblendet wird.
Hier nun eine neue Rezension zu meinem Buch bei Amazon von Michel K.:
„Ich habe von Frank sehr früh das Buch gekommen und es mir genau durchgelesen. So kenne ich den Nachbarn gar nicht. Ich wusste zwar, dass er aus dem Süden kommt und einiges erlebt hat, bis er hier in Hakenfelde gelandet ist. Dass er Bücher schreibt, war mir neu. Doch irgendwie ist es ihm gelungen, uns das Leben in diesem besonderen russisch-orthodoxen Kloster nahe zu bringen. Vor allem auch die Erlebnisse von Frank Bürger rund um das Kloster, von Schwetzingen, über Heidelberg, Karlsruhe, Schwedt bis nach Götschendorf und Berlin. Er hat viele Menschen kennengelernt und schildert besondere Begegnungen.
Zum Inhalt:
Es war das Lieblingsjagdschloss von Fürst Leopold IV., dem Vater von Dr. Armin Prinz zur Lippe. Heute hat auf dem Gelände das westlichste Kloster der russisch-orthodoxen Kirche seinen Sitz. Die Rede ist von Schloss Götschendorf in der Uckermark, das der letzte regierende Fürst Lippes 1910/11 erbauen ließ.
Heute sitzt Abt Daniil gerne in einem runden Pavillon aus Holz, in der er gerne Gäste einlädt.
Das Kloster Götschendorf ist das einzige Kloster der Berliner Diözese der russisch-orthodoxen Kirche. Der Russland-Journalist Norbert Kuchinke stieß auf seiner Suche nach einem Standort für ein von ihm geplantes russisch-orthodoxes Kloster in der Nähe Berlins auf das Gelände. Nach anfänglichem Zögern der einheimischen Verantwortlichen halfen schließlich Kontakte in die Potsdamer Staatskanzlei und die Fürsprache von Pfarrer Horst Kasner, Vater der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, aus Templin bei der Verwirklichung des Projekts. Der Macher vor Ort ist Abt Daniil Irbits. Mit vielen Farbbildern beschreibt das Buch Vergangenheit und Gegenwart des Klosters sowie des Herrenhauses.
Das Gut mit Herrenhaus ist seit dem 15. Jahrhundert im Besitz der Familie von Arnim, 1910 wurde ein neues Gutshaus errichtet, 1942–1945 war es Jagd- und Gästehaus von Hermann Göring und bis 1975 Ferienhaus der Nationalen Volksarmee, danach des Rates des Kreises und des Ministeriums der Staatssicherheit. Seit 1990 stand es leer, 2007 wurde ein Kloster eingerichtet.
Vor allem die Bezüge zum Leben und Wirken des Autoren sind interessant. Da wandern die Gedanken zum benachbarten Schloss Wartin, wo die einstige Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin oft zu Gast war.
Da wandern die Blicke zu Angela Merkel, der ehemaligen Bundeskanzlerin und Matthias Platzeck, dem ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten.
Er hat persönlich die Eltern der einstigen Bundeskanzlerin getroffen.
Da ist die Begegnung mit der Ukraine, mit Tänzerinnen
Beeindrucken und wichtig für die augenblickliche Situation, in der die Augen alle nach Kiew und Moskau schauen: Es wird deutlich, der Abt distanziert sich von den Geschehnissen in der Ukraine und von Putin, hilft Ukrainern vor Ort.
Vor allem das reichliche Bildmaterial unterstreichen die Geschichte.
Das ausführliche Quellenverzeichnis lassen die Darstellungen überzeugend wirken.
Sehr zu empfehlen.
Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783949763304
Sprache: Deutsch
Umfang: 144 S., 100 Illustr.
Auflage: 1. Auflage 2023
Preis: 19,90 Euro“
